Ein Blog von Julian Höher
Zivilgesellschaft umfasst alle Formen organisierten, nicht-staatlichen und nicht-kommerziellen Engagements. Typische Akteure sind:
- NGOs (Nichtregierungsorganisationen)
- Kirchen und Glaubensgemeinschaften
- Gewerkschaften, Vereine, Jugendgruppen
- Umwelt-, Frauen- oder Menschenrechtsbewegungen
Ziel: Gesellschaft mitgestalten, Ungerechtigkeiten aufzeigen, Teilhabe ermöglichen – im Sinne einer aktiven Demokratie.
Der Begriff wurde unter anderem vom italienischen Philosophen Antonio Gramsci geprägt. Er verstand darunter ein Netzwerk gesellschaftlicher Kräfte, das zwischen Individuum und Staat vermittelt und die öffentliche Meinung prägt.
Von der Antike bis zur Revolution
- Antikes Griechenland: Auf der Agora diskutierten freie Bürger politische Fragen – ein früher Ausdruck demokratischer Teilhabe.
- Frühe Neuzeit: Städte, Universitäten und Druckmedien schufen Räume für freie Meinungsäußerung.
- Aufklärung & Revolution: Denker wie John Locke oder Montesquieu forderten individuelle Rechte und Gewaltenteilung. Die Französische Revolution war ein Wendepunkt – Bürger erhoben sich gegen monarchische Macht und für politische Mitbestimmung.
Der Wandel im 20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert wurde Zivilgesellschaft zum Motor des Wandels. Weltweit traten Bewegungen in Erscheinung, die tiefgreifende Veränderungen anstießen:
- Frauenbewegung – Für Gleichberechtigung
- Gewerkschaften – Für Arbeiterrechte und soziale Sicherheit
- Bürgerrechtsbewegungen – In den USA und Südafrika gegen Rassismus und Diskriminierung
- Umweltbewegung – Schutz der Natur als gesellschaftliche Aufgabe
- Demokratiebewegungen –die Montagsdemos in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR)
Globale Vielfalt der Zivilgesellschaft
Zivilgesellschaft funktioniert weltweit – doch ihre Bedingungen unterscheiden sich stark:
- Europa: Gut vernetzt, häufig staatlich unterstützt. Schwerpunkte: Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, Integration.
- Afrika: Wichtige Akteure in Demokratisierungsprozessen, oft trotz politischer Repression und Ressourcenmangel.
- Lateinamerika: Starke indigene und soziale Bewegungen gegen Korruption, Umweltzerstörung und Ungleichheit.
- Asien: Große Unterschiede – von lebendiger Protestkultur in Indien bis zu starker staatlicher Kontrolle in China.
Herausforderungen im 21. Jahrhundert
Trotz ihrer Bedeutung steht die Zivilgesellschaft heute weltweit unter Druck:
- Autoritäre Repression: In Staaten wie Russland oder Iran werden NGOs kriminalisiert und Aktivist:innen verfolgt.
- Populismus & Polarisierung: In Demokratien wächst das Misstrauen gegenüber engagierten Gruppen.
- Digitale Umbrüche: Soziale Medien bieten Chancen für Mobilisierung – aber auch Risiken durch Desinformation und Überwachung.
- Finanzielle Unsicherheit: Viele Organisationen sind auf Fördermittel angewiesen und dadurch abhängig oder gefährdet.



