Ein Blog von Jagschitz Chris
Einer der blutigsten Machtkämpfe Mitten in Europa
Der Nordirlandkonflikt, auch bekannt als „die Troubles“, war ein langwieriger politischer und ethno-nationaler Konflikt, der die irische und britische Gesellschaft jahrzehntelang prägte.
Geografische Lage
Irland ist eine Insel im Atlantik, auf der sich heutzutage zwei verschiedene Staaten befinden:
- Republik Irland – hauptsächlich katholisch
- Nordirland (Vereinigtes Königreich) – hauptsächlich protestantisch
Diese Trennung gibt erst seit 100 Jahren.
Ursachen des Konfliktes
12 Jhdt. – Die englischen Könige befürchten, dass über Irland ein Angriff auf Englisch erfolgen könnte. Und da über so viel Land wie möglich zu herrschen keine schlechte Sache war, versuchten die Briten Irland einzunehmen. Doch die Iren ließen sich nicht leicht erobern und den Engländern gelang 1169 lediglich Macht über den östlichen Teil der Insel.
Erst im 16. Jhdt. ernannte sich der englische König Henry der VIII auch zum König von Irland. Doch dies gefiel dem irischen Adel nicht. Besonders in Nordirland gab es starken Widerstand. Jahrzehntelang führten die Iren gegen das englische Heer erfolglos Krieg, auch wenn dieses keinen echten Sieg erzielen konnte.
Im 17. Jhdt. änderte das englische Königshaus seine Strategie. Es wurden englische, schottische und walisische Siedler nach Irland gelockt, vor allem in die nördliche Region: Ulster. Diese Siedler ernannten sich zu Landesherren und wollten nun über das Land herrschen.
Ziel des Königshauses war es den Iren so viel Land wie möglich wegzunehmen, sodass diese als Abhängige für sie arbeiten müssen oder um die Iren gleich ganz zu vertreiben.
Glaubenskriege
Während der britischen Siedlerkolonisation herrschten in ganz Europa große Glaubenskriege (Martin Luther). Durch die neuen Bürger (Briten) entfacht auch in Irland der Glaubenskonflikt zwischen Katholiken und Protestanten.
- Engländer – Anglikaner (Evangelischer Glaube)
- Schotten – Presbyterianer (Evangelischer Glaube)
- Iren – Katholiken
Das ist der Grundkonflikt!
In Ulster gibt es nun zwei Bevölkerungsgruppen. Beide beanspruchen das Land, in dem sie leben, für sich. Sie streiten sich darum, wer das Sagen hat.
Über die Jahrhunderte geht es zwischen den Gruppen hin und her. Nicht nur im Norden, sondern im auch im Rest der Insel.
Anfang des 18. Jhdt. ist Irland endgültig durch die Briten erobert. 1800 wird Irland mit Großbritannien vereint und über Jahre wird das britische Recht und System eingeführt. Protestantische Grundbesitzer gründen ein irisches Parlament, dass zwar Gesetze erlassen kann, doch nur nach Abstimmung mit London.
Protestantische Gesetzgebung
Die Protestanten führen im „irischen“ Parlament Gesetzte ein, die die Katholiken stark benachteiligen sollen. Katholiken ist verboten …
- Jegliche Art von Waffen zu besitzen
- Ihre Kinder in katholische Schulen zu schicken
- Pferde zu besitzen
- Land zu kaufen
Wenn katholische Landbesitzer sterben, muss das Land unter ihre Söhne aufgeteilt werden. So werden die Katholiken systematisch in die Armut und die totale Abhängigkeit getrieben.
Eine Ausnahme gab es jedoch: Ist der älteste Sohn ein Protestant, so darf er das gesamte Land erben und seine Brüder erhalten nichts.
Ziel: Ausrottung des katholischen Glaubens
Mit Ende des 18.Jhdt gehört wirtschaftlich relevantes Land fast ausschließlich protestantischen Grundbesitzern.
Nationalistische Ideen
Durch die Französische Revolution (1789) schwappen nun auch nationalistische Ideen nach Irland über und abermals stehen sich zwei Seiten gegenüber:
- Nationalisten
- Katholiken, irischer Abstammung
- Wollen einen eigenen irischen Staat
- Unionisten
- Protestanten, schottischer, englischer und walisischer Abstammung
- Wollen an der Verbindung zu Großbritannien festhalten
Beide Gruppen vermuten von den jeweils anderen, dass sie sie ausrotten will und versucht ihr zuvorzukommen.
Irische Unabhängigkeit
1921 – die Republik Irland wird aus 32 Grafschaften der Insel ins Leben gerufen. 6 Grafschaften (Nordirland) bleiben unter britischem Einfluss => Grund: Zweidrittelmehrheit von Protestanten in den 6 Grafschaften.
Die Troubles
Anfang der 1960er Jahre entsteht eine katholische Bürgerrechtsbewegung, sie protestiert für Gleichberechtigung bei der Arbeitssuche, der Wohnungsvergabe, den Wahlen und verlangt eine Unabhängigkeit von Großbritannien.
Immer wieder kommt es zu Straßenschlachten mit der Polizei und Protestanten und es entsteht ein Bürgerkrieg. Es gründen sich paramilitärische Gruppen:
- Irish Republican Army (IRA)
- Ulster Defence Association (UDA)
Bloody Sunday
- Jänner 1972 – Eine friedliche Demonstration der katholischen Bürgerrechtsbewegung zieht durch die Stadt Derry (Londonderry), bei der 14 unbewaffnete katholische Bürger von britischen Fallschirmjägern grundlos erschossen werden.
In den nächsten Jahren üben Katholiken und Protestanten Gewalt gegeneinander aus und es kommt zur Bildung mehrerer Mauern, zum Schutz vor der jeweiligen anderen Gruppe.
Außerdem kommt es durch die IRA zu Bombenanschlägen, bei denen hunderte Menschen über Jahrzehnte ihre Leben verlieren. Als Antwort sendet London eine Miliz, die in Nordirland offen patrouillieren darf, was der katholischen Bevölkerung Angst macht. Andere protestantische Gruppen üben zudem im Untergrund Terror gegen Katholiken aus.
Das Karfreitagsabkommen (Good Friday Agreement)
An Ostern 1998 kommt es in Nordirland zu einem Friedensabkommen, das einen Gewaltverzicht beider Seiten, eine gemeinsame Regierung von Katholiken und Protestanten und Zugehörigkeit zu Großbritannien (solange eine Mehrheit dies will) vorsieht.
Im Mai 1998 tritt das Abkommen in Kraft, nachdem 70% der Nordiren dafür gestimmt haben.
Quellen:
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