Kapitalismus und die GWÖ – Gemeinwohlökonomie

Ein Schülerblog von Nicolas Kellner.

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Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Gemeinwohlökonomie. Jahrzehnte
lang haben Teilzeit-Sozialisten und Naturfetischisten protestiert, dass das
momentane System nicht funktioniert, ethisch inkorrekt ist und sonstige Probleme
hat. Doch wenn man sie fragt, was sie als Lösung vorschlagen, bekommt man eine
pauschalisierte Moralpredigt, aber keine konkrete Antwort. Das mag sich jetzt
ändern, doch was sind denn überhaupt die Probleme, die der Kapitalismus hat?

Oberflächlich betrachtet fällt einem meist zuerst ein, wie schlecht die
arbeitenden Kinder in Thailand bezahlt werden und wie brutal und rapide der
Regenwald Brasiliens gefällt wird. Dann redet man sich ein, dass man einer der
wenigen Personen ist, die sich eigentlich auch für Gerechtigkeit und Umwelt
interessieren, während man auf einem iPhone ein Video schaut und dazu ein aus
Argentinien importiertes und überraschend günstiges Steak genießt. Die momentane
Alternative wäre auf all diese luxuriösen und ausbeutenden Dinge zu verzichten.
Dadurch scheitert die Veränderung bei den meisten Menschen. Jedoch ist das wahre
Problem ein viel größerer Punkt, der all diese Dinge beinhaltet. Das wahre
Problem des Kapitalismus ist das Konzept der durchgehenden Steigerung des
Gewinns.

Als die Azteken von den Spaniern behaupteten, von einer Krankheit besessen zu
sein, war ihnen bestimmt nicht bewusst, dass diese Krankheit den ganzen Planeten
überfallen würde. Dadurch, dass jedes Unternehmen immer auf die Maximierung des
Gewinns hinarbeitet, muss im Endeffekt die Produktion stetig steigen und somit
die Anzahl und Effizienz der Arbeitskräfte und die Produktion selbst. Somit
erhöht sich auch die Menge an benötigten Ressourcen. Doch wenn man
ununterbrochen aus einem Krug einschenkt, ist der Krug irgendwann leer und somit
das Glas, aus dem wir trinken, um zu überleben. Das ist ein wichtiger Punkt,
doch man mag meinen, dass er uns heute noch nicht so viel zu kümmern braucht,
wie in den verschiedenen, magischen Jahresanzahlen, die Wissenschaftler jährlich
nennen. Der Mensch geht meistens erst zum Arzt, sobald es weh tut. Das perfekte
Beispiel wäre die momentane Pandemie, vor der Jahre zuvor gewarnt wurde und zu
der heute fast keine Regierung eine plausible und funktionierende Lösung findet.
Doch es gibt auch ein weiteres Problem, das mit all dem zusammenhängt und viel
akuter ist, als man es realisieren will. Die Verleugnung des Ursprungs des
Menschen.

Die heutige Realität des Menschen besteht aus Wörtern und Zahlen (so in etwa
Alan Watts). „Es am nächsten Tag in der Zeitung zu lesen, ist absurder Weise
interessanter für uns, als am eigentlichen Event teilzunehmen“. Deshalb arbeitet
jeder Mensch sein ganzes Leben für Papier mit einem kollektiv imaginären Wert in
einer Region mit einer kollektiv imaginären Grenze für einen kollektiv
imaginären Sinn- und er akzeptiert es als seine Realität. Das einzig natürliche
daran ist das Sichern des Überlebens der Spezies durch Fortpflanzung, doch diese
Nachkommen werden weiterhin so aufgezogen. Dann wagt es der Mensch, sich stolz
über das Tier zu stellen. Dann wagt er es, nach dem Sinn zu fragen, während er
diesen Zyklus fortsetzt. Eine Fliege, die nach dem Fenster aus dem Haus sucht,
während sie in einem Glas festsitzt. Das gemeinsame Einigen auf erfundene
Konzepte und eingebildete Werte ist ein großer Vorteil für den Menschen, doch er
nutzt ihn gegen sich. Keine giftige Schlange denkt auch nur daran, sich selbst
zu beißen. Das bedeutet nicht, dass man automatisch auf jeden Luxus der
Gemütlichkeit verzichten soll. Es ist nur absolut wichtig, dass der Mensch zu
seiner Natur zurückkehrt, wenn er denn das Verlangen hat, weiter als Spezies zu
existieren. Nur dann, wenn er lernt zu unterscheiden, was real ist und was nur
ein Mittel, um die Realität zu vereinfachen, kann er sich die existenzielle
Frage stellen, wie es weiter gehen soll. Sowohl Geld als auch der Staat und
dessen Rechtssystem sind extrem wichtige Faktoren, um als eine so große
Gemeinschaft zu existieren. Doch beides soll nicht die Kontrolle dieser
Gemeinschaft übernehmen. „Ein guter Diener, aber ein schlechter Herr“. Der
Mensch soll seine Möglichkeit zu leben nutzen, anstatt wie jedes andere
Lebewesen schlicht zu überleben. Nur ein kleiner Teil der Menschheit darf sich
wirklich über das Dasein eines Tieres stellen. Der Rest kämpft weiterhin um
seine Existenz, wie jedes andere Tier.

Doch wo kommt da die GWÖ ins Spiel? Die GWÖ hat nicht direkt Antworten und
Lösungen auf das ultimative Problem der Existenz, doch sie bringt uns einen
Schritt weiter. Und im Gegensatz zur Mehrheit der bisherigen Sympathisanten der
Veränderung, hat sie auch wertvolle Lösungsvorschläge.

Die GWÖ stellt sich eine große Frage, die sich der Kapitalismus nie gestellt
hat. Wann hört die Steigerung des Gewinns auf? Im momentanen Wirtschaftssystem
baut jedes einzelne Unternehmen darauf auf, den Gewinn zu steigern. Doch braucht
man eine unendliche Menge Geld und das so schnell wie möglich? Wäre es
vielleicht sinnvoller, anstatt der durchgehenden Gewinnsteigerung ein anderes
Ziel zu setzen? Die GWÖ bejaht das. Jedes Unternehmen soll folgendes Hauptziel
haben: das allgemeine Wohl. Das steht sogar in den meisten Verfassungen von
Ländern. Wenn jedes Unternehmen auf das Wohl der Allgemeinheit hinarbeitet,
stehen Faktoren wie Umweltschutz, gerechte Tierbehandlung und Fairness für
Arbeiter im Vordergrund. Dadurch bereichern Unternehmen die gesamte Gemeinschaft
und erfüllen auch einen realen Zweck, anstatt nur einen kleinen Kreis an
Personen reich zu machen. Die GWÖ schlägt unter anderem drei wichtige Maßnahmen
vor: Transparenz, Preisverhältnisse und Demokratie. Beim letzteren ist der
Trick, dass ein Bürger nicht die in seinen Augen beste Möglichkeit wählt,
sondern bei jeder Möglichkeit wählen darf, wie sehr er dagegen ist. Somit soll
man auf das Ergebnis kommen, mit dem die meisten Menschen am wenigsten
unzufrieden sind. Auf diesen Punkt geh ich nicht zu sehr ein, da das Problem an
der Demokratie selbst liegt, ein Problem, das sie schon zur Zeit der antiken
Griechen hatte. Dazu nur eine Frage: Wenn man eine Schifffahrt durch das
gefährlichste Gebiet der Welt plant, wählt man dann eine Gruppe von gelehrten
Seemännern, oder eine Gruppe willkürlicher Menschen, die im Bereich imaginärer
Grenzen geboren sind?

Die anderen beiden Punkte sind hingegen wesentlich ansprechender:

Die GWÖ verlangt, dass jedes Unternehmen transparent ist, d.h. dass jedes
Unternehmen regelmäßig veröffentlicht, wie sie ihre Produkte herstellen, womit
und unter welchen Umständen. Dadurch weiß jeder Kunde genau, was er kauft. Das
mag eine nette Änderung sein und es wird auch bestimmt eine gewisse Menge an
Kunden umstimmen, andere Produkte zu kaufen und auch einige Unternehmen, da
durch die Veröffentlichung von unmoralischen Produktionsarten und
naturschädlichen Materialien der Ruf des Unternehmens kaputt geht. Zweiteres
Verlangen ist das Preisverhältnis zu ändern. Momentan sind nicht nachhaltige
Produkte billig und nachhaltige Produkte teuer, was wahrscheinlich der größte
Faktor für die Unbeliebtheit von biologischen Produkten ist. Das Verhältnis der
Preise soll in der GWÖ unter anderem durch das Senken der Steuern und Tarife,
die ethische Produkte zahlen müssen geregelt werden. Man kann davon ausgehen,
dass die Steuern für unethische Produkte dafür höher werden.

Diese Veränderung könnte ausschlaggebend sein, da die „bösen“ Unternehmen
dadurch an Popularität verlieren, während „gute“ Unternehmen eine Gewinnsteigung
erlangen. Das Problem all dieser Ideen scheitert nur an der Umsetzung, und zwar
ausfolgenden zwei Gründen: das Land der gelogenen Freiheit und das Land der
Links- und Rechtsschwäche. Die USA und China sind die zwei tragenden Mächte der
Wirtschaft und werden nicht so leicht umsteigen. Gehen wir davon aus, dass die
GWÖ immer populärer wird und letztendlich langsam aber doch in Staaten Europas
aufgenommen wird und sich durchsetzt. Die unethischen Unternehmen werden
unbeliebter und andersrum. Es ist wahrscheinlich, dass es in Europa beginnt und
nicht in der USA oder China, da ein Kind mit einem großen Schlecker diesen
unwahrscheinlich gegen eine Packung Gemüse eintauscht. Auch wenn dieser
Schlecker imaginär und ungesund ist. Der Zustand der Umwelt ist etwas Konkretes,
etwas Reales, entweder gut oder schlecht, der Wert von Geld ist abstrakt.  Die
große Frage ist dann, ob die Schaufel der Europäer groß und schnell genug ist,
die immer tiefer werdenden Löcher der zwei Mächte zu füllen. Es wäre jedoch
wert, es drauf ankommen zu lassen.

Quellen und Inspiration:
* www.youtube.com/watch?v=dsO-b0_r-5Y&t=543s&ab_channel=TEDxTalks
[https://www.youtube.com/watch?v=dsO-b0_r-5Y&t=543s&ab_channel=TEDxTalks]
* www.youtube.com/watch?v=gbngLDPSaDw&ab_channel=chasefukuoka61
[https://www.youtube.com/watch?v=gbngLDPSaDw&ab_channel=chasefukuoka61]

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