Ein Blog von Maximilian Popek
Ein Nachbericht zum Gedenken an die Femizid-Opfer und ein Appell für mehr Zivilcourage.
Es ist oft der Ort, an dem man sich am sichersten fühlen sollte: das eigene Zuhause. Doch für viel zu viele Frauen in Österreich werden die eigenen vier Wände zur tödlichen Falle. Der aktuelle Anlass ist traurig und wütend machend zugleich – erneut mussten Menschen auf die Straße gehen, um der Opfer von Femiziden zu gedenken. Der Tenor der Mahnwachen und Berichte ist eindeutig: Gewalt gegen Frauen darf nicht hinter verschlossenen Türen bleiben.
Wenn das Private politisch wird
Lange Zeit galt häusliche Gewalt als “Familiendrama” oder “Beziehungstat” – Begriffe, die das Problem verharmlosen und ins Private abschieben. Doch Geografie und Politik lehren uns, dass Räume niemals neutral sind. Wenn Gewalt systematisch in der “Privatsphäre” stattfindet, muss die Öffentlichkeit hinschauen.
Österreich hat hier eine traurige Statistik: Es ist eines der wenigen Länder in der EU, in denen in manchen Jahren mehr Frauen als Männer ermordet werden. Die Täter sind fast immer Partner oder Ex-Partner. Das zeigt: Die Gefahr lauert nicht im dunklen Park, sondern am Küchentisch. Das Gedenken an die Opfer ist daher nicht nur Trauerarbeit, sondern ein hochpolitischer Akt. Es holt das Unsichtbare in den öffentlichen Raum – auf die Plätze unserer Städte, in die Medien und (hoffentlich) in die Köpfe der Politik.
Ein gesamtgesellschaftliches Problem
Warum ist das Thema für unsere politische Bildung so wichtig? Weil Femizide die Spitze eines Eisbergs sind. Darunter liegt ein Fundament aus Besitzansprüchen, veralteten Rollenbildern und patriarchalen Strukturen. Wenn ein Mann glaubt, über das Leben “seiner” Frau verfügen zu dürfen, ist das kein individueller Ausraster, sondern ein strukturelles Problem.
Die Forderungen der Gedenkveranstaltungen sind klar: Es braucht mehr Geld für Gewaltschutzambulanzen, mehr präventive Arbeit mit Tätern und vor allem eine lückenlose Umsetzung der Istanbul-Konvention. Ein “Weiter so” darf es nicht geben.
Was wir tun können: Hinsehen statt Wegschauen
Wir fühlen uns oft machtlos, wenn wir die Nachrichten lesen. Aber wir können etwas tun. Zivilcourage beginnt im Kleinen. Wenn wir Schreie in der Nachbarwohnung hören, wenn eine Freundin extrem kontrolliert wird oder wenn abfällige Bemerkungen über Frauen fallen: Wir müssen den Mund aufmachen.
Das Gedenken mahnt uns: Wir müssen laut sein für die, die nicht mehr sprechen können. Gewalt gegen Frauen geht uns alle an – jeden Tag.
Quellen:
Quelle 1: Der Standard: “Femizid-Gedenken: Gewalt gegen Frauen darf nicht hinter verschlossenen Türen bleiben”, abgerufen unter: https://www.derstandard.de/story/3000000305424/femizid-gedenken-gewalt-gegen-frauen-darf-nicht-hinter-verschlossenen-tueren-bleiben
Quelle 2: Hintergrundinformationen & Statistiken: Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) – Gewaltstatistiken (allgemeines Wissen zur Einordnung der Situation in Österreich).
Foto von Josh Howard auf Unsplash
Hilfe für Gewaltbetroffene gibt es hier:
Frauenhelpline (Mo–So, 0–24 Uhr, anonym und kostenlos): 0800 / 222 555
Gewaltschutzzentren (anonym und kostenlos): 0800 / 700 217
LEFÖ-IBF – Interventionsstelle für Betroffene des Frauenhandels:
+431796 92 98
Männerberatung Wien (Mo–So, 0–24 Uhr, anonym und kostenlos):
+43 1 603 28 28; E-Mail: info@maenner.at
Männernotruf (Mo–So, 0–24 Uhr, anonym und kostenlos): 0800 / 246 247



