Ein Blog von: Timon Pfeiffer
Was ist Rojava?
Rojava (zu Deutsch: Sonnenuntergang oder Westen) ist der Name für die kurdischen Mehrheitsregionen in Syrien und wird oft verwendet, wenn von der autonomen Administration im Nordosten Syriens die Rede ist. Durch die territoriale Erweiterung nach dem Fall des Islamischen Staates machen Kurden jedoch nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung aus. Seit seiner Gründung im Jahr 2012 musste der defekte Staat sich gegen den IS und andere dschihadistischen Gruppen, sowie die syrische und türkische Regierung wehren. Gleichzeitig konnte die Region auch als einzigartiges politisches Projekt aufblühen, in der multi-ethnisches Zusammenleben, Gleichberechtigung und Demokratie im Vordergrund stehen.
Geschichte
In den Jahren 2012 und 2013 zogen sich die Streitkräfte Assads aufgrund des syrischen Bürgerkrieges und des Vorrückens des IS aus Gebieten nahe der nördlichen Grenze zurück. An ihrer Stelle übernahmen kurdische Milizen und Untergrundorganisationen die Kontrolle. Im Januar 2014 etablierte sich dann die Verwaltung in der gesamten Region. Zwischen 2015 und 2016 gingen die SDF auf die Offensive unterstützt durch die Vereinigten Staaten und Gebiete bis zum Euphrat Fluss konnten vom IS befreit werden. Bis dahin waren die Kantone Rojavas teilweise noch nicht miteinander verbunden. In diesem Zeitraum kam es auch zu kämpfen mit von der Türkei unterstützen Gruppen, was die türkische Regierung dazu veranlasste über die nächsten Jahre hinweg Rojava mit Artillerie zu beschießen und zu bombardieren und letztlich auch zu einer Inkursion (oben auf der Karte dunkelblau) führte.
Nach dem Fall des Assad-Regimes brachen wieder Kämpfe mit der Syrischen national Armee aus, einem türkischen Proxy. Außerdem konnte ein Aufbau türkischer Truppen an der Grenze beobachtet werden und es wurde eine weitere Invasion befürchtet.
Demokratischer Konföderalismus
Das politische System, das in Rojava praktiziert wird, heißt demokratischer Konföderalismus. Dabei handelt es sich um eine Staatsform, die auf lokaler Autonomie, direkter Demokratie, Selbstverteidigung und Selbstregierung basiert. Den Grundbaustein des Systems bilden Nachbarschaftsversammlungen, in denen die endgültigen Entscheidungen getroffen werden. Diese senden je einen Mann und eine Frau zu Kanton- bzw. Nationalversammlungen aus. So kann die Repräsentation aller Personengruppen, sowie die politische Gleichstellung von Männern und Frauen sichergestellt werden. Diese Versammlungen koordinieren die politischen Aktivitäten sowie die Verteilung der Region.
Das Ziel des Demokratischen Konföderalismus ist es nicht nur Selbstbestimmung für die verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen der Region zu ermöglichen, sondern auch eine dezentralisierte und nicht hierarchische Gesellschaft zu ermöglichen.
Quellen:
Quelle 1: https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstverwaltung_von_Nord-_und_Ostsyrien
Quelle 2: https://www.rosalux.de/publikation/id/4142/revolution-in-rojava
Quelle 3: https://sdf-press.com/en/
Quelle 4: https://en.wikipedia.org/wiki/Democratic_confederalism
Quelle 5: https://rojavainformationcenter.org/background/key-facts/
Quelle 6: https://rojavainformationcenter.org/2024/12/update-december-30-heavy-fighting-in-manbij/